Dienstag, 3. September 2013

Liebeserklärung


Es ist immer anders, es war immer wieder anders. Es ist nie gleich. Ich weiß, was mich erwartet und ich freue mich darauf. Doch dann, wenn ich die Drogen nehme, ist alles so anders, dass ich vorher nie auch nur ansatzweise an den wahren Inhalt dieses Rauschs gekommen wäre. Ich will spielen. Ich will völlig entkoppelt sein aus der Realität und wie ein kleines Kind hüpfen, ich will die Menschen sehen, wie sie tanzen und wie sie eine schöne Zeit haben. Das ist es, was den Rausch so erlebenswert macht. Die völlige Emphatie, und das Loslassen von allem, was mich irgendwie hier, in der Realität, gehalten hat. Ich bin sorgenlos. 
Ich merke, wie der Trip kommt. Ich merke, dass sich etwas anbahnt in mir, als würden alle Emotionen durch eine ganz winzige Stelle in mir, die zugemauert wurde. Ich spüre die Bässe, ich sehe das Licht. Ich spüre, das ich anfange, leicht zu sein. Mein Körper ist von einer atemberaubenden Agilität, ich fange an, sie auszukosten. Ich bewege mich durch den Raum, aber dieser Raum ist anders. Er ist erfüllt von den Wellen der Musik, Wellen, die wie ein Meer auf mich zu rollen, meinen Körper erfassen und fortreißen. Ich bewege mich von selbst. Ich habe nicht die Kontrolle verloren, ich habe sie abgegeben. Ich habe sie in die Hände des MDMA gelegt, das durch meinen Körper zirkuliert, und ich vertraue darauf.Ich vertraue dem Universum, dass es mich lenkt, und auf mich aufpasst, während ich mich verliere. Ich spüre, wie die Dämme brechen. Und dann, mit einem Mal, ergießt sich alles Glück, alle Freude und jede Euphorie in mir, ich bin in einem wahnsinnigen Rausch. Alles ist schneller, schöner und so viel intensiver. Ich spüre die Bewegungen meines Körpers und mein Geist selbst sieht mir zu. Ich spüre, dass meine Beine stampfen, auftreten, abheben im Takt der Bässe. Und meine Arme fliegen umher, sie treiben im Wasser der Musik, allgegenwärtig. Ich realisiere, dass ich grinse, das ich lache. Ich lache die Menschen an, und sie lachen zurück. Ich weiß, sie fühlen so wie ich. Ich bin frei, endlich bin ich frei. Mein Kopf, bar aller Sorgen, mein Körper, enthemmt wie er schon immer wollte. Ich fühle, das ich lebe und das ich endlich zuhause bin. Fremde Menschen, ich sehe sie vor mir tanzen, und ich fasse sie an den Händen und wir drehen uns im Kreis. Für einen kurzen Moment, kommt es mir vor, als hätten nicht unsere Körper uns berührt, sondern unsere Seelen, unser Inneres. Als hätten wir nur einen kurzen Augenblick all das Glück, das uns gerade wiederfährt geteilt. Ich treibe mit dem Moment, nichts was morgen ist oder gestern war kann mich jetzt beeindrucken. Ich bin wichtig, das es mir gut geht ist wichtig. Das es den Leuten hier gut geht ist wichtig. Denn ich liebe sie. Ich weiß, dass ich sie liebe, auch wenn ich nüchtern bin. Ich liebe sie nicht auf eine platonische Weise, sondern ich liebe sie, weil sie hier sind und all ihr innerstes vor uns allen hier offenbaren und das sie hier sind, um uns eine gute Zeit zu ermöglichen. Jeder dieser Menschen hat es verdient, hier an dieser Stelle der Realität ebenso zu entfliehen wie ich. Und das sie mich nicht für das verurteilen, das danke ich ihnen. Doch dann, merke ich, meine Beine stehen still. Der Bass hat sich in einen rauschenden Bach verwandelt, tiefe summende Töne bilden eine Melodie und formen einen Sinn für mich in meinem Kopf. Ich weiß, dass dies nicht einfach Musik ist. So klingt die Welt. Dies ist die Melodie des Lebens, der Welt, des Universums. Und es sagt mir "Sei du selbst. Achte auf dich, denn das ist wichtig. Geht es dir gut? Trinkst du genug? Du weißt, du musst vorsichtig sein, du darfst nichts übertreiben, damit die Welt weiterhin schön ist. Damit du weiterhin dieses Glück genießen darfst. Nur wenn du dir sicher bist, dass du und dein Leben okay sind, nur dann schenke ich dir weiterhin diese vollkommenen Momente. Sei frei. Sei du selbst. Nur das zählt." Und schon geht der Bass weiter, und ich stampfe, springe, hüpfe und laufe, wissend das meine Freunde und die auch die Fremden hier sind und hier bleiben. MDMA, ich liebe dich. 

Und heute?

Mein Leben vor einem halben Jahr:

Ich komme in einen Raum. Obwohl er nicht sehr groß ist, ist seine Decke sehr hoch, so hoch, dass ich sie nicht mehr sehen kann. Es ist dunkel in dem Raum. Und er ist absolut leer. Nichts ist in diesem Raum, nur ich. Ich ganz alleine. Es ist jedem egal, dass ich in diesem Raum bin, und das erkenne ich. Ich erkenne, dass ich jedem egal bin. Egal wem. Ich bin hier, und ich bin alleine, und jeder kümmert sich nur um sich selbst. Niemand sagt, "Hey, er ist ganz alleine da, lasst ihm uns helfen!". Ich merke, die Menschen treten nicht mit mir in Kontakt, um mir zu helfen. Sie wollen nur ihren eigenen, egoistischen und ganz simplen Vorteil erarbeiten, mit Lügen und Hinterlist. Selbst jene, die ich dachte zu lieben, wenden sich ab von mir. Gibt es sie überhaupt, die Liebe? Diese Frage bleibt lange unbeantwortet und wird es auch bleiben. Ich stelle diese Frage nicht mehr, es spielt keine Rolle. Denn selbst wenn ich die Antwort fände, welche Rolle spielt es schon? Ich hinterlasse keine Spuren auf dem Angesicht der Erde. Ich werde vergessen werden wie alle vor mir vergessen wurden, all die Millionen Namenlose. Und ich könnte auch genauso gut nicht existieren, und keinen Menschen würde es auffallen, keiner würde sagen "Moment, in diesem Raum fehlt doch jemand!" Irgendwer anders würde meinen Raum einfach übernehmen und dieselbe Rolle spielen wie ich, die selbe, ebenso nichtige und unwichtige Rolle. Das was bleibt ist mein verrottendes Fleisch in der Erde. Und egal, wie viele Menschen und wie viele "Freunde" ich um mich scharre, ich sterbe alleine. Ich bin hier, und dann plötzlich nicht mehr. Ich werde tot sein, verschwunden. Und nichts von mir wichtiger als ein Tropfen im Ozean.

Was soll ich tun?

Ich nahm eine Pille. Und die Welt explodierte vor meinen Augen. Es war bunt. Es war laut. Es war Glück. Freude, Atemlose Aufregung, Erregung. Geschmacksverstärker für die Sinne, Rausch. Die Pupillen zuckten, wahllos, willkürlich. Bunte Gase, oder doch Licht? Leute, Licht, Musik und Liebe. Liebe für alles. 
Den Takt der Zeit hören, die Stimme des Universum summen hören und das Blut austauschen. 
Leben. Das Leben fühlen, schmecken, hören, essen, es verschlingen und ganz in sich aufnehmen und es lieben - Das Leben!

Sonntag, 4. August 2013

"Das geht voll ab"

Wonderland steht kurz bevor, und noch immer hab ich meinen ausführlichen Bericht über Tannengrund nicht veröffentlicht. Doch jener Zustand hat zwei einfache Gründe:

1. Das Verarbeiten der Erlebnisse dieser Nächte beansprucht eine lange Zeit und 
2. Noch heute kann ich die Dinge ab Samstag Mittag nicht mehr in eine zeitliche Kausalität bringen. Ich weiß nicht, wann was wo und mit wem und wie geschah. Doch dazu kommen wir gleich.
Wenn ich von dieser ganz besonderen Reise berichte, muss ich vorne anfangen. Ich brach bereits vormittags in Richtung A. auf. Wir luden ein und holten dann V., F., der das erste Mal mitkam, sowie N. ab, den ich zuvor nicht kannte.
Die Reise lief an sich recht Ereignislos ab. Zumindest bis wir unser Ziel fast erreichten, und N. nach dem Weg fragte, in einem Supermarkt. Ich kann bis heute nicht aufzählen, was er dabei alles gestohlen hat. Waffeln, Mentos, Zigaretten, Feuerzeuge. Sie alle holte er aus seinen Hosenbeinen. Reine Zauberei.
Doch wir erreichten unser Ziel, wir bauten unsere Zelte auf und dann wartete man auf den Einlass. Wir spackten noch nichts großes, aber ließen das Gras natürlich durch unsere Gruppe wandern. Mit einigen Zeltnachbarn belief sich unsere Gruppe auf wohl gefühlt 10 bis 15 Leute... Nunja, dies ist der passende Moment um festzustellen: F., der eigentlich ein Metallhead ist, ist der gierigste Mensch auf einer Goa, den ich jemals gesehen habe. Kaum zog einer an der Tüte, schon schrie er, er wolle auch. Er schnorrte sich im Laufe des Samstags von 7 Leuten einen Zug an deren Tüten auf dem Floor, mit einer Tüte rannte er sogar davon. Der Typ war übelst mett.
Aber nunja. Um kurz vor 19 Uhr am Freitag, baute ich mir ein halbes Teil, meine Reliquie, mein Überbleibsel von Schallgitter, ein. Jener Rausch, er war unfassbar. Ich bekomme den Zeitlichen Ablauf ob des berauschenden Gefühls kaum auf die Reihe, ich weiß nur, wie ich unzählige Leute ansprach, ich lerne Judith und Piet kennen, Conny die Klofrau, Leute, die ich danach nie wieder sah, Olaf. Sie alle lernte ich kennen, doch ich weiß nicht mehr wann, wo und in welcher Reihenfolge. Ich tanzte in einem Rausch aus Farben und Formen und Menschen, auf diesem Floor, auf jenem Floor, ich umarmte Leute die ich nicht kannte, einfach, weil diese unendliche Woge der Empathie in mir danach verlangte. Ich sah diese Menschen und ich sah wie sie glücklich waren und ich war glücklich und ich war froh, dass sie glücklich waren. Selten hatte ich das Gefühl, Menschen, einfachen Menschen, derartige Zuneigung zuzubringen.
Ich weiß nicht, was diesen Abend alles geschah. Aber ich weiß, dass ich ab 4 Uhr alleine da war, also keiner meiner Goabuddys in der Nähe. Und ich tanzte mit all meiner Energie auf dem Goafloor. Die Bässe bestimmten meine Atmung, meinen Takt und den Rhythmus meiner Bewegungen, die Geschwindigkeit meiner Beine, die Richtung. Jedes noch so kleine Detail, jede Veränderung in meiner Umgebung nahm ich wahr, doch es war nicht wirklich ich, sondern mein inneres Selbst, das völlig getrennt von meinem Körper sich durch die Melodien bewegte. Die Melodien, die ich völlig abgesondert von den Taktgebenden Bässen wahrnahm, die wie ein zweites Lied, das ich mit einem zweiten Gehör hörte, meinem Oberkörper die Richtung, die Bewegung und die Geschwindigkeit wies. Ich war völlig eins mit der Musik und trieb mit ihr durch die Nacht, durch die Sterne über mir. Sie rasten an mir vorbei, über mir hinweg, doch nie zufällig. Ich kontrollierte sie und steuerte sie, ich wies ihnen ihre Plätze am Himmel zu. Es war eine einzige, riesige Ordnung im Absoluten Chaos. Ich weiß nicht, wie und wann ich zurück zum Zeltplatz kam. Aber ich weiß, dass ich diesen Tanz, ich ganz alleine mit mir selbst und den Sternen über mir, niemals vergessen werde.
Samstag sollte vom Charakter her ein ganz anderer Tag werden. 
In jenem Wald wurden Teppiche und Polster ausgelegt, eine Chillout-Area. Ja, zumindest ich spackte ab 11 Uhr morgens kontinuierlich. Was ich jedoch feststellte... Der Konsum von Gras auf Teile bringt dich vollends aus der fassung. Du staunst, und weißt selbst nicht über was. Alles ist weich, alles ist intensiv, alles ist so viel deutlicher, echter und dumpfer als in Realität. Es war Zufall, dass ich diese Wirkung entdeckte, doch wir nutzen sie aus. Bis zum Abend. Ich nahm diesen Abend Magic Mushrooms.
Wie soll man beschreiben, was dort mit einem passiert.
Wenn wir unseren Blick über unsere Umgebung schweifen lassen, rein objektiv, was sehen wir da. Wir sehen viele Farbfacetten in verschiedenen Formen, die ein Bild ergeben. Unser Gehirn sagt uns, in dem es das, was es dort sieht, mit bereits gesehenem vergleicht, was wir dort sehen. Es sagt uns, wie weit es entfernt ist, aber das is der Punkt. Unser Gehirn schafft Dreidimensionalität. Doch ich SAH dreidimensional. Ich sah spektrale Formen und Bilder in den Blättern, rotierende Äste und Gesichter, ich sah wie die Äste auf mich zeigten, ich sah Löcher in den Bäumen! Löcher. Und in diesen Löchern glitzerten kleine Funken, die mich freundlich anlächelten. Ich sah sie an, und die Bäume lebten. Alle Blätter wanderten in Endlosen Kolonnen über die Äste die Krone entlang, bildeten Ringe um die Funken, drehten sich um sich selbst und die Ringe in die jeweils umgekehrte Richtung des Nächsten, alles im Takt der Musik. Eine Bewegung mit den Augen und die Blätter stoben auseinander wie scheue Rehe.
Wir spazierten, doch ich weiß nicht wo, ich weiß nicht wie lange. Ich traf Leute die ich kannte, doch konnte nicht reden, nur lachen. Lachen vor unendlicher Freude, die mich erfasste, unendliches Glück. Diese Dinge, die ich sah, sie machten mich froh und glücklich. Ich sah mich selbst aus der dritten Perspektive, ich tanzte und ich weiß nicht wie lange. Ich habe keinerlei Erinnerung in welcher Reihenfolge und wann genau jener Tag endete, aber es sollte der letzte Tag, und doch der Beste, auf diesem Festival sein.
Denn am nächsten Tag brachen wir bereits früh auf, wir umfuhren die Polizei, und erreichten dann, trotz Widrigkeiten und Aufregung, doch unsere Heimat, unsere Duschen, Essen und ein warmes Bett.

Und einmal mehr... Danke Goa, danke, dass du mir die besten Tage meines bisherigen Lebens bescherst. Danke.

Montag, 1. Juli 2013

Vorfreude

4 Tage bis Tannengrund, 4 Tage bis zur nächsten Goa. Ich bin von einer seligen Vorfreude erfüllt, die über die Tage wächst und wächst. Noch sind nicht alle Parameter, wer mitfährt etc., geklärt, doch ich bin überzeugt es wird ein Fest!
3 Tage geht das Festival, also brauche ich ein Zelt. Aber auch das werde ich noch organisieren. Und dann? Dann freue ich mich nur noch. Auf das Licht sehen, auf das Fliegen, das Gefühl von Glück, der Schwerelosigkeit und dem davon treiben auf den Wellen der Musik.
Ein Erfahrungsbericht vom Tannengrund 2013 folgt natürlich dann^^

Dienstag, 4. Juni 2013

Goa und Glück

Schallgitter

Meine erste Goa. Es war fantastisch, es war unglaublich. Ich war zum ersten Mal wirklich glücklich, zum ersten Mal fühlte ich mich wirklich lebendig.
Wirklich los ging es um etwa halb 6, denn um diese Uhrzeit kam ich bei A. an. Dieser verspätete sich, so das alles Recht stressig wurde, denn bereits um 6 sollten die Shuttles vom Bahnhof losfahren. wir bauten also schnell 2 Tüten und brachen auf. Dummerweise waren die Tüten beinahe vollständig aus Stoff, also keinesfalls verwendbar, aber irgendwer würde sich schon erbarmen und uns eine richtige Tüte bauen.
Um 6 trafen wir dann V. am Bahnhof, welcher die typischen Goahosen trug. Außerdem spielte er mit seiner Realität, ein kleiner Ball, der mit Gel, Glitter und einem blinkenden Leuchtestein gefüllt war. A. leihte ihm außerdem noch 2 Euro, von denen er sich Kippen kaufte. Tja, und dann warteten wir bis etwa Viertel nach, und nichts geschah. weder tauchte einer der anderen auf, sprich L. oder so.
Doch mit einem Mal sprach uns ein junger, blonder Mann an, der uns mit seinem niedlichen kleinen Passat zur Goa fuhr. Dort angekommen bezahlte man Eintritt, inspizierte zunächst das Gelände und ging dann wieder vom Gelände runter um erstmal einen zu dübeln.
Wie ging es mir zu diesem Zeitpunkt? Nunja, ich war noch immer ein Bernd. Ich war noch nicht locker, ich war noch angespannt, und vor allem gespannt. Ich war auch schockiert, angesichts dessen, dass sich einige auch Speed durch die Nase zogen und angesichts der Tatsache, in der Nähe dieser berüchtigten Drogen wie LSD und Ecstasy zu sein. Jedenfalls fingen wir dann an zu tanzen, zunächst verhalten, man lockerte sich nur langsam auf... Kurz darauf machte man dann erstmal Pause und wartete ab. Gemeinsam in einer Gruppe wurde die zweite Tüte zerstört. Doch noch bevor es vollständig dunkel wurde, gaben ich und A. uns jeweils ein halbes Teil. Ich kann nicht beschreiben, nicht in Worte fassen, was ab diesem Moment in mir vorging. Ich war losgelöst, Sorgenfrei, Euphorisiert, Glücklich. Und ich tanzte, ich fing tatsächlich an, alles abzulegen und nur noch das nach außen zu tragen, was ich in diesem Moment fühlte. Glück, unfassbares, unendliches und niemals sterbendes Glück. Die ganze Welt war mein Freund und nichts würde mich aufhalten können. Ab diesem Moment war ich vollständig und umfassend zufrieden, und nie zuvor fühlte ich auch nur Ansatzweise dieses Glücklichsein. Sogar A. tanzte und tanzte. Wir tanzten draußen, im Dreck, wir tanzten wie wir wollten, wir sahen nur uns selbst, wir sahen wie wir tanzten und es war egal, was andere denken. Es war ein Ausdruck meines eigenen, tiefsten Inneren und ich ließ es raus. Schon bald tanzte nicht mehr ich um den Goabaum, sondern alles, was ich empfand. Meine Gefühle und Emotionen steuerten meinen Körper. Und in den Pausen trank man, saß gemeinsam mit den anderen am Feuer und teilte die unbändige Freude. Niemand wurde an diesen Abend unfreundlich, nein, sie alle waren freundlich, höflich, zuvorkommend. Sie alle waren wie eine große Familie und sie alle waren Freunde. L. und ich sprachen ab, am Wonderland Wassereis verkaufen zu wollen. Niemand verstand unsere völlig konfuse Unterhaltung, nur wir zwei.
A. nahm schon wenig später Acid und war ab da völlig weggeblasen. wenn man ihn ansprach, grinste er nur und reckte die Daumen nach oben, Gott weiß, was er gesehen hat. Ich jedoch tanze, diesmal drinnen, was das Zeug hielt, ich tanzte ohne Unterlass und ich fühlte eine nie dagewesene Freude. Doch bald schon merkte ich wie ich runterkam und V. organisierte mir ein ganzes Teil, von dem ich aber nur eine Hälfte nahm. Und auch V. nahm ein Teil und so tanzten wir zusammen, waren zusammen glücklich und waren vollständig erfüllt von einer warmen Glückseeligkeit und der Freude, geboren zu sein, zu leben und auf dieser Erde, im Schoße dieser Wundervollen Natur zu sitzen und zu existieren. Wir waren froh, dass wir da waren, wo wir waren, wir waren froh, zu existieren und wir wollten das dieses Gefühl nie endet.
Es war, als hätten wir uns alle negativen Emotionen und Gefühle einfach von der Seele getanzt und seinen vollkommen mit unbändiger Freude gefüllt.
Und doch, irgendwann brach der Tag an, Müdigkeit und Muskelschmerzen übermannten mich und so fuhr ich mit A. und zwei mir unbekannten, doch nichtsdestotrotz freundlichen Jungs auf, und fuhren mit dem Shuttle zurück zum Bahnhof nach Rinteln.
Und so ging der vermutliche schönste Tag meines Lebens zuende. Und immer noch bin ich glücklich. Ich bin einfach zufrieden, ich bin erfüllt, ich bin voller Freude und freue mich schon auf meine nächste Goa, diesmal hoffentlich am 15ten in M.. Und im Sommer kommt Wonderland.
Ich bin unfassbar glücklich. Wie ein kleiner Ballon voller Licht, der in mir wächst. Und ich empfinde das was ich seit langem nicht mehr wirklich und vollständig empfinden konnte:
Reines Glück.

Montag, 25. Februar 2013

Belanglos.

Mal wieder eine lange Pause. Seltsame Sache an sich, denn ich habe 2 Blogeinträge angefangen, aber mich dann irgendwann in Details und inhaltlichen Denkblockaden verloren, Punkte, an denen ich nicht weiterkam, noch nicht. Das ist meist so, wenn ich über ein bestimmtes Thema schreiben will. Schreiben hilft, Dinge besser zu verstehen und zu ergründen. Man nimmt abstrakten Denkvorgängen und Prozessen die Undurchsichtigkeit und gibt sie in Form von Zusammenhängen und Zuschaustellungen wider, so kann man sich selbst ein besseres Bild machen. Das funktioniert aber nur, wenn man ebenso abstrakt schreibt und zeichnet, wie die Vorgänge selbst sind, mit anderen Worten, wenn man auf einem Blatt Papier, mit einem analogen Schreibutensil Stichpunkte und Absätze schreibt und diese logisch miteinander verkettet. Aber einen nicht zuende gedachten Prozess, den kann ich nicht oder nur schwerlich, in eine logische Reihenfolge bringen und dementsprechend auch nicht schreiben. Ich verliere dann den Blick fürs wesentliche. Es funktioniert besser, wenn ich einfach drauf los schreibe, auch wenn sich dann dieser Blog in absoluter Belanglosigkeit verliert. Was gibt es denn neues? Ich mache gerade durch. ich habe mal wieder nicht geschlafen, allein aufgrund dessen, dass mein Bruder um 6 zur Arbeit muss, und sich jemand um den Hund kümmern muss. Er hat tatsächlich Arbeit, und ich denke, seine neue Freundin ist daran nicht ganz unschuldig. Ein Trottel ist er. Aber nur aufgrund meiner persönlichen Laune, nicht aus richtigen Gründen. Und ansonsten konsumiere ich seit Tagen die Serie "Battlestar Galactica" was gar nicht gut ist, da ich mich wieder im SciFi verliere. Und nun verlässt mich auch schon die Lust zu schreiben, da mir die Belanglosigkeit dieses Eintrags jetzt schon auf die Nerven geht. Es gibt nichts interessantes zu berichten und ich kann nicht über spezielle Themen nachdenken, wenn ich nicht dieses spezielle Thema vollständig durchdacht habe.

Dienstag, 5. Februar 2013

Heilige Hallen

Heute soll der Titel mal nicht nur ein Liedtitel sein, sondern zugleich auch mal Sinn ergeben. Denn Gemeinhin ist mein Gelaber echt recht sinnfrei und daher ist es schwer, dafür eine Überschrift zu finden. Nunja.
Heilige Hallen. Eigentlich ist es keine Halle, es ist ein Raum, der einzige Raum, in dem ich mich unbegrenzt lange aufhalten kann, ohne das ich mich über lang oder kurz unwohl, beobachtet oder fremd fühle. Mein Zimmer ist eine Konstellation, ein Sammelsurium aus Dingen die ich mag, und sie alle habe ich so zusammengefügt, dass ich in ihnen leben kann. Denn eines ist mein Zimmer sich nicht - Aus Ikea entliehen. Bis auf ein Regal, muss ich zugeben. In diesem Zimmer befinden sich außerdem 2 Schreibtische, an einem saß ich einst und schrieb und bastelte, Dinge die ich beide leider aufgegeben habe. Dann noch das Allerheiligste, der andere Schreibtisch, mein Refugium, der Unberührbare. Meine Heimstatt, mein Thron. Hier sitze ich. Ich sitze immer hier, ich sitze nur hier, mindestens 8 Stunden am Tag - Mindestens!
Ein Bett nimmt etwa ein drittel der Fläche ein, King Size. Ja, ein großes Bett ist wichtig, ob nun alleine oder zu zweit. Oder mit Hund und Katze. Und noch dazu steht es direkt hinter meinem Stuhl. Nicht selten kommt es vor, dass ich mich nach einer 16 Stunden Session einfach umdrehe und fallen lasse. Ich schlafe dann einfach quer auf dem Bett liegend ein, wen sollte das auch stören?
Dann habe ich ein Ikearegal, ein Ikearegal mit 8 großen, Quadratischen Fächern. Heute sind sie voller Müll und Unnötigkeiten aber vor nicht allzu langer Zeit noch präsentierte ich an dieser Stelle stolz meine Kriegsschiffe. Und dann noch ein Regal, in dem sich meine Kleidung aufhalten sollte, aber diese befindet sich ausschließlich auf einem Stuhl, einem weiteren. Und dann hab ich noch eine Art Schrank, auf dem Stand einst ein Fernseher und eine X-Box, und eines Tages werden diese beiden Dinge dort wieder stehen.
Und das war eigentlich beinahe alles. Willkürlich sind an den Wänden noch Regale mit allerlei Tand befestigt, so zum Beispiel meine Spiele, meine Nuka-Cola Sammlung und meine 1-Meter-Tirpitz.
Alles in allem ist alles sehr sehr zugemüllt und unordentlich, überall liegt Kleidung, teils Staub und Papierschnipsel herum.
Es kotzt mich an und ich will unbedingt mal aufräumen, aber ich schaffs einfach nicht. Das eigentliche Interessante sind aber meine Wände.
3 Irische Flaggen, eine Deutsche, eine des Deutschen Kaiserreiches und eine Schottische zieren bisher meine Wände, aber weitere werden Folgen, sobald ich mehr Wand habe... Ähm, ja. Noch dazu kommen Porträts der wohlbekannten "L" und "Kira", aus dem Manga Death Note. Ebenfalls aus einem Manga entstammen Bee, Pain, und Gaara.
Ein uraltes Bild von heulenden Wölfen, das schon lange bei mir ist, und das ich mein Leben lang behalten werde, was an der Beschaffenheit dieses "Werkes" liegt. Denn eigentlich ist es das Diebesgut aus einem T-Shirt-Druckerstandes in irgendeiner Stadt wo ich als Kind mal war. Denn bevor so ein weißes T-Shirt mit einem Motiv bedruckt wurde, konnte man sich das Motiv auswählen, und die befanden sich halt auf einem Stück Papier... Na, es fühlt sich an wie sehr sehr grober Stoff. Und da ist eben dieses Motiv spiegelverkehrt drauf, und dieses wurde eben auf ein T-Shirt gelegt und durch große Hitze wurde dann die Farbe, die in diesem Vordruck war, auf das T-Shirt gebracht. Ergo brauchte man für ein T-Shirt ein Motiv. Und ich habe mir dann damals einfach einen solchen Vordruck geklaut, da es sich einfach wunderbar anfühlte, wie Pergament.
Ebenfalls aus Pergament ähnlichem Material ist meine Skyrim Karte, die habe ich jedoch in einen Rahmen gefasst, um sie vor etwaigen Schäden zu bewahren. Aus eingerahmt ist meine signierte Ausgabe der GameStar. Und dann zieren noch ziemlich viele Poster meine Wände, sowie Hüte, Kabel und Pinwände.
Viel Wand sieht man jedenfalls nicht mehr.

Aber warum will ich überhaupt über mein Zimmer reden?
Es sind meine Heiligen Hallen. Nur hier bin ich mir sicher, dass ich sicher bin. Und trotzdem ist es ein unwahrscheinlicher Zwiespalt. Denn so, wie mich dieser Raum am Leben erhält, so tötet er mich auch. Ich verfalle Süchten und Zwängen und werde niemals meine Sozialphobie und meine Misanthropie überwinden, wenn ich weiterhin nur in diesen Hallen hause. Und dennoch, ich brauche diese Hallen wie die Luft zum atmen, denn draußen ist sie wie abgeschnürt. Ein Dilemma. Es ist so, als würde ich mir mein Grab selbst schaufeln. Verflucht sei dieses Leben voller Zwiespälte, Zwickmühlen und Zumutungen (Geile Alliteration!)!

Blut im Auge

Ist ja schon länger her, dass ich mich zu Wort gemeldet habe, aber ich habe auch nicht großartig das Bedürfnis gehabt. Es passiert ja auch nichts, absolut nichts. Ich sitze Tag für Tag am selben Fleck und kleistere mein Gehirn so mit Informationen zu, dass es nichts mehr fühlt, also alles altbekannt.
Allerdings erlangt allmählich meine Ratio wieder Überhand, so dass ich nicht mehr all zu viel emotionalen Quark empfinde, sondern durchaus auch mal froh bin, dass ich das samtig weiche Lotterleben führen kann, dass ich möchte, ohne das irgendwas oder irgendwer etwas dagegen einwendet. Das ich den ganzen Tag auf meinem Stuhl sitzen kann und all die wundervollen Welten erleben, und allmählich sagt meine Ratio mir sogar, dass das genau das ist, was ich eigentlich all die Zeit wollte, meine Ruhe haben, und in Frieden meinen Kram machen - oder ist das nur Einbildung, weil mein Verstand nicht akzeptieren will, dass ich meine Chance auf ein normales Leben verbaut habe?

Einbildung... Ein extrem starkes Werkzeug, der Mensch besitzt im Prinzip erst Mal die Fähigkeit, sich komplett alles einzubilden was er will. Das zeigt schon das Kindesalter, und da auch die eigene Erfahrung. Im Wald werden die Äste zu Schwertern, die Gräben und Hügel zu Wällen, Jägerhütten zu Feldlagern und hinter einem Befinden sich 1000ende, die nur auf ein Wort warten vorzustürmen. Man gibt Befehle und vor dem inneren Auge regnet es Brandpfeile, und sogar dein Freund, der neben dir ebenfalls auf den Angriff des Feindes wartet, sieht dasselbe wie du, obwohl ihr separate Individuen seid. Auch später, wenn die Schlachtfelder im Wald vor dem Inneren Auge aufblitzen und man verträumt davon schwärmt, das Sagitarius Gladius Maximus Arthenicus an dieser Stelle in einer Minderheit die Germanen in einer Vernichtenden Schlacht geschlagen hat und das römische Imperium über die Grenzen hinaus vergrößert hat, man sich aber nicht mehr in die Schlacht stürzt, obwohl es in den Fingern juckt, Kind zu sein, selbst dann noch erscheinen die Geschichten, die wir lesen wie Filme vor unserem Inneren Auge, wir sehen, was wir sehen und es ist real. Aber die Fähigkeit zur Phantasie kann auch zerstört werden, zerstört durch Medien wie das Fernsehen, wie Computerspiele. Ich bin bisher absolut davon verschont geblieben. Aus meinem ehemaligen Hobby des Militärmodellbaus weiß ich noch heute, nein es ist noch immer genauso der Fall, ich sehe mir meine Tirpitz an, und schon kurze Zeit später seh ich sie, wie sie durch die Sturmgepeitschte See fährt, donnernde Geschütze durchschneiden den Wind wie ein Messer, das Mündungsfeuer erhebt sich für einen Moment über das Deck, und für den Bruchteil einer Sekunde ist alles Hell, bis der Sturm alles zurück in seine Dunkelheit saugt. Wellen brechen über den Bug auf das Deck, überspülen die Wellenbrecher am Bug, reißen Matrosen von den Füßen, Leute laufen aufgeregt aus den Aufbauten zu den Flaks, denn es heißt Fliegeralarm. Diese Fähigkeit mir Dinge lebendig vorzustellen ließ mich noch nie im Leben los. Ich sehe noch heute den Alter Ego meines jüngeren ichs so lebendig vor mir, wie ich es kaum in Worte fassen kann. Und meine Einbildung war so stark, dass ich niemals behaupten würde, dass es nur Kindheitsfantasien waren. Sagitarius ist ein Teil von mir und ein guter Freund, und wann immer ich an meine Kindheit zurück denke oder an die Stätten meiner Kindheit zurückkehre, dann sehe ich ihn auf den Feldern stehen, das Blut tropft von der Klinge, die Federn des Helms sind zerzaust und ein Pfeil ragt aus dem Schild, und doch hebt er das Schwert um den nächsten Feind niederzustrecken, die Inkarnation aus Wut, Hass und ständiger Ausdauer, wie ich sie seitdem ich denken kann in mir trage. Sagitarius wurde irgendwann zu Nerevar, und Nerevar ist ein weitaus böserer Tumor in meinem Kopf. Und dennoch denke ich, wann immer ich Sagitarius vor meinem Auge sehe, daran zurück, wie schön die Kindheit war, wie schön es war, wenn man sich alles Einbilden konnte, und es dann leben konnte, ohne das man deswegen schräg angeguckt wurde. Ich wäre am liebsten bei Sagitarius geblieben.
Aber wenn ich mir alles so gut Vorstellen kann, Einbilden kann, woher soll ich wissen, welche meiner Gefühle echt sind, oder ob ich nur meine Ratio einbilde? Es ist aber wie man es auch dreht und wendet belanglos, und das einzige, was ich in diesem Monolog herausgefunden habe, ist, dass ich meine Kindheit zurück will. Ja, nicht immer hat der Monolog an sich ein Ergebnis, aber fast immer hilft er die Gedanken zu ordnen und neue, wichtigere Fragestellungen aufzuwerfen, nämlich: Warum will ich meine Kindheit zurück, obwohl ich während der Kindheit so traurig und verlassen war wie niemals zuvor in meinem Leben?

Donnerstag, 24. Januar 2013

Es wäre gewesen.

Er saß da. er saß da, wo er immer saß, jeden Tag. Jeden Tag, wann immer man in die Nähe von ihm kam, saß er so, wie er jetzt saß. Auf einer niedrigen, schmalen Bank, vermutlich handgezimmert von ihm. Ihre Balken, ohnehin nicht besonders stark gewesen, beugten sich über die Jahre unter seiner Last. Diese Bank, ebenso gebeugt wie er selbst, stand vor einem Haus, aus Feldsteinen und Mörtel zusammengebaut, hier und da musste ein Balken das bereits windschiefe Haus abstützen, dessen Dach mit Holzschindeln bedeckt war. Der kurze, blecherne Schornstein ragte wie ein knöchiger Finger in die Höhe. Insgesamt war nichts gerade, nicht die Bank, nicht die Haus, der Schornstein war seit langer Zeit in einer Schieflage und selbst der Unterstand vor dem Haus sah aus, als würde er gleich umkippen. Und genau unter diesem Unterstand saß er, auf der Bank, ebenso windschief und verfallen wie das Haus selbst. Sein ergrautes und mit tiefen Furchen durchzogenes Gesicht war tief in dem Mantel verborgen, welcher aus dunklem Tuch gefertigt war und ganz und gar um seinen Körper geschlungen. Die knöchernen, dünnen Finger umkrampften einen Stab, auf dem er sich abstützte, obwohl er saß. Der Stab sah aus, als hätte er ihn aus sich selbst erschaffen, krumm, dünn und knorrig, überragte ihn jedoch um einige Zentimeter. Das war nicht der Körpergröße geschuldet, sondern dem gebeugten Rücken, welcher seit jeher Schmerzen verursachte, doch noch nie hat man ihn jammern hören. Überhaupt hat man ihn noch nie gehört. Vor ihm erstrecken sich grüne Wiesen, so weit man sehen kann. Und dennoch hört man die Wellen am Cliff of Moher noch bis zu ihm. Diese drückende Stille, die nur durchbrochen wird, durch den rauschenden Wind oder prasselnden Regen, das blöken eines seiner Schafe oder das Muhen einer der weit entfernten und verirrten Kühe, umgibt ihn, als hätte er die Stille um sich geschlungen, und nicht den Mantel aus dunklem Tuch. So sitzt er da, wenn die Winde die Wolken in wirbelnden und tanzenden Formen über das Land treiben, wenn der Regen in Strömen hernieder geht, auf das Dach prasselt und gegen die Scheiben, die im Mauerwerk eingelassen sind, sich Sturzbäche vom Unterstand ergießen, niemals jedoch scheint er nass zu werden. Selbst wenn die störrischen irischen Winde das Wasser, direkt unter das Dach treiben, sitzt er da, und sei sein Mantel noch zu durchnässt. So sitzt er, dort, jeden Tag. Nur manchmal, an den aller seltesten und schönsten Tagen, wenn im Frühling alle Bäume und Blumen in ihrer ganzen Pracht stehen, und die Sonne in einer freundlichen Milde über die Wiesen streicht, nur dann, sieht man ihn manchmal langsam von seiner Bank aufstehen, sich hinaus auf die Wiese schleppen und die Kapuze abnehme. So hält er dann sein Gesicht mitten ins Licht der Sonne, genießt ihre Wärme und steht da. So wie er sitzt, so steht er. Als würde er niemals etwas anderes tun, als sei sein Leben nur dieses eine, nur dieses sitzen, nur dieses stehen.
Manche sagen, er sei keiner von ihnen, er sei ein Einwanderer, er gehöre nicht hierher. Doch dann, so wird den meisten selbst klar, ist es nicht schlimm das er hier sei. Sein graues, schütteres Haar zeugt von seinem Alter, seine gebückte Haltung von einem harten Dasein, und er fiele niemanden zur Last. Einmal in der Woche erscheint er wie ein Geist im Ort, er kauft seine Vorräte und geht, das Bündel mit Lebensmitteln auf den Rücken. Dann geht er noch ein wenig gebückter.
Doch selbst bei diesen Einkäufen spricht er nicht.
Ein Junge aus der Nähe hilft ihm. Morgens treibt er die Schafe auf die Wiese, Abends holt er sie wieder rein. Und obwohl der Alte niemals ein Wort geredet hat, niemals den Jungen auch nur in die Augen schaute, so sprach doch der Junge mit ihm. Nicht selten saß er direkt neben ihm auf dem Boden, und plauderte. Er plauderte über Leute im Dorf, über seine Freunde, die Schule, Dinge, die einem Jungen wichtig erscheinen.
So unbekümmert er war, so sehr schätze der Junge den Alten jedoch. Der Alte, er war der einzige, dem man alles erzählen konnte, egal, was es war. Er berichtete ihm, von seiner Liebe, seinen Sünden, seinen Eltern. Der Alte jedoch sagte nie ein Wort. Der Alte urteilte nicht, er bewertete nicht, er gab keinen Rat, er schimpfte, schalt und lobte nicht. Nichts von alledem, was ein anderer Mensch tun würde, tat der Alte. Er saß und hörte zu. Und bisweilen war es so, dass der Junge allein dadurch, dass er sich selbst zuhörte, auf die Lösung für das ein oder andere Problem kam. Der Alte war dem Jungen ein Freund, ein Bestandteil im Leben. Nicht selten zweifelte der Junge daran, ob der Alte überhaupt wollte, dass der Junge da war, aber woran hätte man das schon festmachen sollen? Der Alte saß da, wie er immer da saß, und fixierte einen Punkt in der Ferne. Seine Augen, das einzige, was nicht aussah, als sei es mit dem Alten verwittert, waren von einem dunklen Grün, wie die Baumkronen in den Tiefen der Wälder, sie rückten niemals von diesem einen Punkt in der Ferne ab. Oftmals rätselte der Junge, auf was der Alte wohl wartete.
Der Junge wurde älter, und wie der Lauf der Dinge ist, wurde die Zeit knapp. Der Alte musste immer öfter selbst die Schafe herausbringen, und der Junge, wenn er es tat, hatte keine Zeit mehr, um sich neben dem Alten niederzusetzen. Doch irgendwann, irgendwann kam der Junge gar nicht mehr. Er war nun ein Mann, hatte Liebschaften und trank, feierte, war jung und genoss sein Leben. Der Alte verkaufte die Schafe, und war fortan einsam, aber dennoch saß er einfach da, so wie er es immer getan hat, er saß da, und starrte auf den Horizont.
Eines Tages, kam zum ersten Mal seit dem der Alte dort wohnte, ein Brief für ihn an. Der Postbote selbst überreichte ihn, denn der Alte hatte keinen Briefkasten. Er reagierte gar nicht erst, als der Bote neben ihm Stand, erst langsam drehte er den Kopf. Es war ihm ein Gräuel, dass er das Starren unterbrechen musste, dass sah man ihm an. Doch dann erkannte der Alte den Brief in der Hand des Boten und obwohl er noch immer kein Ton sagte, weiteten sich seine Augen und er löste eine Hand zitternd von seinem Stab und streckte sie dem Boten bittend entgegen. Dieser übergab den Brief und wandte sich zum gehen, denn er kannte um die Eigenheiten des Alten und erwartete keine Antwort, als ihn eine heisere, brüchige Stimme, als sei sie seit langer Zeit nicht benutzt worden, innehalten ließ. Der Alte krächzte, mit viel Mühe, ein "D-Danke". Dann erhob er sich langsam und mühevoll und humpelte in sein Windschiefes Haus, das mittlerweile ganz und gar in Efeu eingehüllt war, so wie sich der Alte in seinen Mantel hüllte. Der Bote kehrte ins Dorf zurück und schnell sprach sich rum, dass der Einsiedler endlich geredet habe.
Durch diese Nachricht erinnerte sich der Junge an den Alten und er kehrte zurück zur Hütte. Doch der Alte saß nicht mehr dort. Die Tür war abgesperrt, die Fenster vom Efeu verdeckt, so wandte sich der Junge zu gehen. Doch auch am nächsten und übernächsten Tag kam er nicht wieder. Es fiel niemanden weiter auf, weil der Alte noch nie auffiel, nur der Junge merkte es. Und so brach er irgendwann das Schloss zu Hütte auf, doch es war niemand in dieser Hütte. Der Alte war weg.
Der Junge jedoch wusste, es konnte nur einen einziges Ort geben, wo der Alte sein könnte, und so rannte er, er rannte über die Hügel, die Weiden und Wiesen, er rannte, stolperte und kam völlig außer Atem dort an, wo der Alte immer hinstarrte. Es lag auf einer kleinen Anhöhe, auf der ein Baum sein Geäst in den Himmel streckte, direkt oberhalb der Cliffs of Moher. Und dort, vor dem Baum, dort kauerte der Alte. Eine Hand um den Stab, eine Hand zur Faust geballt an seiner Brust. Doch der Alte war in sich zusammen gesackt, die Hand am Stab kraftlos und alles Leben war aus seinen Augen gewichen. Der Alte war tot.
Kaum das der Junge den Alten berührte, öffnete sich die Faust des Alten und ein Brief, der Brief fiel heraus. In geschwungener, doch ordentlicher Handschrift war mit Tinte der einfache Satz "Es tut mir Leid" geschrieben, unterzeichnet mit einem S.
Der Junge ließ den Alten wo er war. Er sollte genau an diesem Ort, den er gewählt hatte, eins mit der Erde werden, nicht in einem Friedhof. In der Hütte des Alten fand man Tagebücher, es war, als wenn er jeden Tag der letzten Jahrzehnte aufgezeichnet hätte. Er sprach von den Tagen, die er gewartet hatte, auf S, auf eine Art Glücksgefühl, er sprach von dem Jungen, den er einen Freund nannte, den einzigen, den er hatte. Doch er sprach auch davon, dass seine Hoffnung mit jedem Tag immer tiefer in ihm verschwindet, er sprach von dem Jungen, dessen Gesellschaft er vermisste, wie Unerträglich die Einsamkeit ist, und letztendlich sprach er oft von der Zeit. Sein letzter Eintrag war:
"Heute habe ich endlich das bekommen, was ich all die Jahre wollte. Ich wollte nie mehr, als wissen. Ich weiß vieles, aus allen Bereichen des Lebens, doch nie wurde mir eine einzige Frage beantwortet, die ich mir seit Dekaden stelle, doch nun, da diese Frage beantwortet ist, bin ich fertig. Ich weiß nicht, ob ich meine Zeit nicht besser hätte nutzen sollen. Ich hätte sie darauf verwenden können, zufrieden zu werden, erfolgreich zu werden, anstatt meine Zeit mit sitzen und warten zu vergeuden. Doch Zeit ist das wohl subjektivste das es gibt. So vergeht für einem die Zeit wie im Flug, man nehme nur den Jungen. Täglich spricht er mit mir, erzählt mir alles was ihn bewegt, doch nicht davon hat Bestand für ihn, da die Zeit für ihn viel zu schnell vergeht. Eine Stunde hatte für ihn die Wirkung, als sei es eine unüberwindbare Zeit, doch sieh mich im Vergleich an. Ich warte bereits Jahrzehnte, und eine Stunde hat keine Bedeutung mehr für mich. Und doch, mit dieser Antwort, ist mein Warten sinnvoll geworden. Ich habe meine Zeit verbraucht um zu warten, wenn ich das bekam, auf das ich wartete, dann war meine Zeit auch sinnvoll verwendet. Ich kann nun erfüllt und glücklich sterben, weil ich das bekommen habe, was ich wollte. Warum hätte ich versuchen sollen, mir Ziele zu stecken, die ich niemals hätte erreichen können? Mein Versagen hätte mich unglücklich gemacht. Und dennoch, wenn es eine Sache gegeben hätte, für die ich mit einem Menschen gesprochen hätte, dann, um ihn zu sagen, wie wertvoll die Zeit ist. Ich habe jede Sekunde, die ich hier verbracht und gewartet habe, genossen. Ich habe jede Sekunde wahrgenommen, doch zuviele Menschen dieser Welt rauschen einfach an sich selbst vorbei. Sie haben keine Zeit und nehmen sie sich auch nicht, um sie selbst zu sein. Sie alle müssen arbeiten und sind eingebunden in die Gesellschaft, doch was hat derarter Zeitverlust für einen Sinn, wenn ich dabei nicht glücklich werde? Der ein oder andere mag glücklich sein und auch werden, doch die Mehrzahl wird weiterhin über alles jammern, am meisten darüber, dass sie ihre Kinder kaum noch sehen. Sie alle haben vergessen, wie wertvoll Zeit ist, und dass man sie sich nehmen muss, wenn man glücklich sein möchte. Sie haben es vergessen, doch ich nicht. Ich habe meine Zeit dazu genutzt, glücklich zu werden, und erstmal seit Jahrzehnten bin ich es. Glücklich."

Eine Kurzgeschichte von mir, Nerevar.

Mittwoch, 16. Januar 2013

Voller Spannung erwarte ich die heutige Themennacht von Domian... Wer den nicht kennt, ich habe ihn rechts irgendwo verlinkt->


Denn das Thema lautet "Das Internet ist mein Unglück". Am liebsten würde ich selbst mal anrufen, denn das Internet ist durchaus mein Unglück. Das Internet ist ein wahrer Zwiespalt für mich.
Auf der einen Seite hat es vieles zerstört, denn die Sucht nach den Unendlichen Verbindungen zu allen Informationen die man sich nur vorstellen kann, ist Schuld an so manchen Niedergang in meinem Leben. Sei es, der Niedergang des Interesses eines realen Kontaktes zu Menschen, sei es meine Motivation, Schule, Praktikum oder sonstigen Verpflichtungen nachzugehen, sei es meine Beziehung. Denn ja, auch das Internet hatte daran seinen Anteil. Oftmals habe ich ihr sicher nicht die Achtung gezollt, die sie verdient hat. Ich war abgelenkt, durch MMORPG's, RPG's, Diskussionen, Flamewars, Recherchen und und und. Und jetzt zerstört das Internet sogar nach und nach mein Allgemein Wissen, wenn gleich es auch gefördert wird. Klingt paradox, was ich meine ist aber, dass ich mir auf der einen Seite jede Menge Wissen aneigne, aber zugleich verdränge ich Informationen über die Themen, die mich nicht berühren. Um es anders zu sagen, in der Schule lernt man alles, egal ob man es will oder nicht, daher hat man eine breitere Palette Wissen. Sei es Religion, Bio, Chemie, Physik, wobei die letzten zwei ohnehin ein Klacks sind, und Religion jeden mit dem IQ eines Toastbrots noch unterfordert. Dennoch weiß ich nicht mehr den ersten Wortlaut der ersten Sure, ich kenne nicht mehr alle Vorgänge während des Stoffwechsels, ich habe nur noch eine dunkle Erinnerung an die Elektrolyse und den schiefen Ebenen gehe ich effektiv aus dem Weg. Stattdessen befasse ich mich mit Religion gar nicht, es sei denn Spaßreligionen wie das fliegende Spagettimonster, studiere die Evolutionstheorie und die Entwicklung vieler Tierrassen, liebe es mich mit Säuren, Basen und allerlei anderen Reaktionen auseinander zusetzen und erweitere mein Wissen in den Bereichen der Atomphysik und der Quantenmechanik. Dennoch ärgert es mich, die anderen Dinge zu vergessen.
Zudem beeinträchtigt das Internet auch meine Eloquenz. Zu oft entfleucht mir ein "Oh my dayum!"... Und das ist erst die Spitze des Eisberges. Pwned, "Right in the face of your faggotry" "mfw" "stfu" "fuuuuu"... Alles Schuld des Internets.

Aber zugleich macht das Internet auf alle Erdenkliche Art glücklich. Nicht nur, dass es dich teils empfindungstot macht, es kann aber einfach kein besseres Gefühl geben, als wenn man das packende Ende einer lang geliebten Serie schaut, wenn man nach langer Recherche sein Wissen um neue Felder erweitert hat, übers Internet Menschen findet, die man sogar im Realen Leben ertragen könnte, und vor allem mit seinen Freunden bei Skype und TS zu lachen, zu scherzen und natürlich zu spielen. Ich liebe das spielen, sei es WoW, sei es CS, RTW, alles. Ich spiele fast den ganzen Tag, lieber in Gesellschaft als allein, und das erst seit kurzer Zeit. Vor allem WoW begeistert mich seit fast einem Monat. Mein Schlachtruf gilt daher allen anderen meiner Fraktion: ALLES FÜR DIE HORDE! Ich habe wieder etwas gefunden, für das ich mich begeistern kann, und das ist auch gut so. 

Und dennoch kehrt ständig die Leere zurück. Und die Gedanken an das was ich verloren habe, sowie die Erkenntnis, dass es das nicht wert war. Ich vermisse sie. Und diese Sehnsucht quillt wie Eiter aus jeder Pore meines Körpers, noch immer ertrage ich den Gedanken an den Verlust nicht. Bzw. nicht den Gedanken daran, dass sie wen anders hat. Wenn ich bedenke, wie sehr ich alles an ihr geliebt habe... Von ihren Augen, für die ich noch nie die passende Beschreibung gefunden habe... Ein so wundervolles, tiefes Dunkelbraun, umgeben von einem makellosem weiß. Groß und tief. Und dann ihre Haare, die über die Zeit immer wundervoller wurden. Und von ihrem Körper darf ich nicht anfangen, ohne das mir das Herz stehen bleibt.
Und das jemand all das hat, was Jahre lang das wertvollste für mich war, das macht mich echt kaputt. Nicht so wie ich erwartet habe, nicht wie ein Schlag ins Gesicht mit dem Knauf eines Schwertes. Es ist eher so, als hätte man mir mit dem Schwert seit der Trennung nach und nach alle Venen geöffnet... Und daran verblute ich langsam und qualvoll. Und das schlimme ist, das ich mich so furchtbar selbst ankotze deswegen. Was soll der Scheiß denn bitte? Ich war sonst nie so anfällig für hurr-durr-Herzschmerz. Damn it.